„Aller Anfang ist schwer“ sagt ein deutsches Sprichwort. Weil die Hochschulen in Myanmar seit Machtübernahme des Militärs im Jahre 1962 wegen der Studentenproteste öfter geschlossen wurden, beschloss ich im Ausland zu studieren. Im Herbst 1972 kam ich nach Deutschland. Zuallererst nach meiner Ankunft in Berlin musste ich mich bei den Ausländerbehörden anmelden. Mein deutscher Freund hat mich dorthin begleitet. Nach der Aushändigung des ausgefüllten Anmeldeformulars sagte mir die Beamtin: „Sie müssten alle Fragen ausfüllen, bitte nichts
auslassen. Hier fehlt noch Ihr Vorname.“ Ich antwortete mit Hilfe meines Freundes stockend: Ich habe keinen Vornamen. Ich habe nur einen Namen. Ich heiße Khin Maung Yin.“ Ich legte ihr meinen Reisepass vor. Sie war ungeduldig und wiederholte: Wollen Sie mich dumm verkaufen. Ich brauche Ihren Vornamen. Sonnst müsste ich hier für den Vornamen „Ohne“ eintragen.“ Ich geriet in Panik und beriet mich kurz mit meinem Freund. Ich wollte nicht, dass ich mit dem Vornamen „Ohne“ heiße. Ich beschoss, um meinen Namen zu trennen. Ich hatte darauf hin „Khin“ als meinen Vornamen und Maung Yin als Nachnamen angegeben. Jetzt war die Beamtin mit mir zufrieden. Ich merkte mir: „Ah, anderer Ort, andere Sitten. Ich muss mich dem anpassen.“ Als wir die Anmeldestelle verließen, tröstete mich mein Freund so: „Eingebildete Gans! Sie macht sich so wichtig, ob für sie ein Ein-Name ganz neu wäre. Germanen trugen auch jahrtausendelang nur einen Namen. Die Vor- und Familiennamen wurden in Deutschland erst seit 13. Jahrhundert allmählich eingeführt. Die Ostfriesen bildeten in Deutschland das Schlusslicht, die erst 1811 Familiennamen schufen.“ Ich sagte : „Eben! Viele andere Länder auch. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war es in Japan für die niederen Ränge (also Bauern, Händler und Standlose) verboten, einen Familiennamen zu tragen. Erst 1870 erließ die Regierung das so genannte „Gesetz zur Erlaubnis von Familiennamen für das Volk“ , durch das jeder einen Familiennamen annehmen konnte. Neun Länder haben weltweit noch keine Familiennamen. In Europa trifft dies auf Island und den Färöern zu. Auf Island und auf den Färöern haben nur wenige Personen Familiennamen im Sinne des mitteleuropäischen Familiennamen. In Ägypten wurden die Nachnamen erst 1954 eingeführt.“
Gute Deutschkenntnisse waren die Voraussetzung für mein Studium. Deutsch zu beherrschen war meine erste Priorität. Die Sprache zu lernen, vor aller die deutsche Grammatik mit den vier Fällen und die Wörter mit den Artikeln „Der, Die, Das“ zu beherrschen, war nicht einfach. Die vielen Ausnahmen zu begreifen fiel mir sehr schwer. Einmal fragte ich meine Deutschlehrerin: „Warum ist
Gute Deutschkenntnisse waren die Voraussetzung für mein Studium. Deutsch zu beherrschen war meine erste Priorität. Die Sprache zu lernen, vor aller die deutsche Grammatik mit den vier Fällen und die Wörter mit den Artikeln „Der, Die, Das“ zu beherrschen, war nicht einfach. Die vielen Ausnahmen zu begreifen fiel mir sehr schwer. Einmal fragte ich meine Deutschlehrerin: „Warum ist
in der deutschen Sprache das Wort „Sonne“ weiblich“? In unserer Kultur betrachtet man „Sonne“ für stark und männlich.“ Sie antwortete mir, dass das Wort „Sonne“ vom althochdeutschen und altsächsischen Wort „Sunna“ komme. Das Wort „Sonne“ endet mit „e“. Wörter wie „Sonne, Brille, Firma, Lena, Eva“ mit den Endbuchstaben „e“ und „a“ sind weiblich.“ Ich dachte kurz nach und erwiderte ihr: „Wieso sagt man dann „das Auge, das Gebäude“ oder „der Brite, der Finne, der Burmese, der Name“? Wieso heißt es dann „der Papa“ „das Asthma“ oder „das Aroma“? Oder, noch schlimmer, „das Fräulein“ zu sagen, obwohl die Person(Frau), ob alt oder jung, weiblich ist. Genauso schlimm ist es, „das Mädchen“ zu sagen, obwohl diese Person von Geburt an weiblich ist. Warum sagt man „der Rand“, dann „die Hand“ und aber „das Land“? Wieso sagt man „der Band“, manchmal „die Band“, in anderen Fällen „das Band“.“ Die Lehrerin wurde nachdenklich und gab keine passende Antwort auf die lange Kette der Fragen und sagte lediglich: „Sie sind Ausnahmen“.
Ich war lernbegierig und hatte im Unterricht oft viele Fragen an meine Deutschlehrerin gestellt. In kurzer Zeit wurde ich ihr Lieblingsschüler. Ich wurde von ihrer Familie oft zum Essen eingeladen, das erste Mal zum Weihnachtsessen bei ihr im Winter 1972. Die ganze Familie war sehr nett zu mir. Ich fühlte mich wohl bei ihr, weil ich allein einsam hier in Deutschland, weit von meiner Familie war. Die Lehrerin vertraute mir sogar so weit, dass ich ihren 2-jährigen Sohn betreuen durfte. Ich wurde ein Babysitter gegen Bezahlung. Ich konnte eben mein Taschengeld ausbessern. Eines Tages ging ich mit dem Kind in den Tiergarten Berlin an die frische Luft. Das Kind saß im Buggy. Ich schob den Buggy vorsichtig. Viele Spaziergänger waren auch unterwegs. Einige sahen uns erstaunt und blieben stehend. Das Kind war sehr hell mit blonden Haaren und ich bin dunkel mit schwarzen Haaren. Wir standen im scharfen Kontrast zueinander. Einige lächelten mich freundlich an, andere sprachen mich an. Ich verstand kaum, was sie sagten. Sie sprachen schnell, möglicherweise den Berliner Dialekt. Ich lächelte nur zurück. Bei uns sagt man: „Charmantes Lächeln ist Gold wert, wenn du keine Antwort findest.“ Ich dachte: „Deutsch zu sprechen ist schwer, aber Deutsch zu verstehen ist noch schwieriger. Deutsche müssten sooo.... klug sein, um sie zu beherrschen“. Das
Ich war lernbegierig und hatte im Unterricht oft viele Fragen an meine Deutschlehrerin gestellt. In kurzer Zeit wurde ich ihr Lieblingsschüler. Ich wurde von ihrer Familie oft zum Essen eingeladen, das erste Mal zum Weihnachtsessen bei ihr im Winter 1972. Die ganze Familie war sehr nett zu mir. Ich fühlte mich wohl bei ihr, weil ich allein einsam hier in Deutschland, weit von meiner Familie war. Die Lehrerin vertraute mir sogar so weit, dass ich ihren 2-jährigen Sohn betreuen durfte. Ich wurde ein Babysitter gegen Bezahlung. Ich konnte eben mein Taschengeld ausbessern. Eines Tages ging ich mit dem Kind in den Tiergarten Berlin an die frische Luft. Das Kind saß im Buggy. Ich schob den Buggy vorsichtig. Viele Spaziergänger waren auch unterwegs. Einige sahen uns erstaunt und blieben stehend. Das Kind war sehr hell mit blonden Haaren und ich bin dunkel mit schwarzen Haaren. Wir standen im scharfen Kontrast zueinander. Einige lächelten mich freundlich an, andere sprachen mich an. Ich verstand kaum, was sie sagten. Sie sprachen schnell, möglicherweise den Berliner Dialekt. Ich lächelte nur zurück. Bei uns sagt man: „Charmantes Lächeln ist Gold wert, wenn du keine Antwort findest.“ Ich dachte: „Deutsch zu sprechen ist schwer, aber Deutsch zu verstehen ist noch schwieriger. Deutsche müssten sooo.... klug sein, um sie zu beherrschen“. Das
Institut IDIBON mit Sitz in den USA hat im Juni 2013 eine Liste der merkwürdigsten und komplizierten Sprachen der Welt veröffentlicht. Deutsch ist laut der Sprachexperten die komplizierteste Sprache in Westeuropa und stand weltweit an zehnter Stelle der Liste. Also, Sprachwissenschaftler haben heute das gleiche festgestellt wie ich vor 40 Jahren.
Die harte Ausspreche der Deutschen war für meine Ohren gewöhnungsbedürftig. Die Wörter, die auf Buchstaben „d“ und „t“ enden, werden deutlich hart ausgesprochen. Eine solche Aussprache war für mich ungewöhnlich, weil wir Burmesen die Endungen weich aussprechen. Ebenfalls kann ich Wörter mit Ä, Ö, Ü, nicht richtig aussprechen. Im Burmesischen fehlen solche Laute. Auch ein Diktat zu schreiben war für mich eine wahre Qual, vor allem, wenn arabischen Zahlen im Text vorkamen. Deutsche lesen normalerweise wie wir die Texte von links nach rechts. Aber sie lesen die Zahlen umgekehrt: eine aus zwei Ziffern bestehende Zahl (von 21 bis 99) lesen sie von rechts nach links, z.B. 31(einunddreißig). In solchen Fällen schrieb ich im Diktat oft Zahlendreher. Fleißig musste ich die deutschen Wörter mit den dazugehörigen Artikeln auswendig lernen.
Ein burmesisches Sprichwort sagt: „Geduld und Ausdauer musst man bewahren, Erfolg kommt zu Dir mit der Zeit“. Ein deutsches Sprichwort lautet ähnlich: „Mit Geduld und Zeit kommt man weit.“ So hielte ich mich daran: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nicht mehr.“ Ich war eben noch jung und frisch. Nach einem Jahr konnte ich mein Hochschulstudium anfangen.
Endlich war ich so weit. Mein Studium dauerte 5 Jahren. Ich hatte mein Diplomstudium erfolgreich abgeschlossen. Ich konnte damals nicht nach Burma zurückkehren, weil ich wegen meiner politischen Tätigkeiten auf der schwarzen Liste der Militärregierung stand. Während des Studiums pflegte ich eine gute Beziehung zu meinem Professor, der seiner Zeit Fachbereich Obmann war, und bekam einige Werkverträge seines Instituts auf Honorarzahlung. Da ich mich mit seiner Vorzimmerdame gut verstand, bekam ich wann immer ich wollte sofort einen Termin bei ihm. Ich genoss sein Vertrauen und respektierte ihn für sein Fachwissen. Dies hatte mir nun einen Vorteil
Die harte Ausspreche der Deutschen war für meine Ohren gewöhnungsbedürftig. Die Wörter, die auf Buchstaben „d“ und „t“ enden, werden deutlich hart ausgesprochen. Eine solche Aussprache war für mich ungewöhnlich, weil wir Burmesen die Endungen weich aussprechen. Ebenfalls kann ich Wörter mit Ä, Ö, Ü, nicht richtig aussprechen. Im Burmesischen fehlen solche Laute. Auch ein Diktat zu schreiben war für mich eine wahre Qual, vor allem, wenn arabischen Zahlen im Text vorkamen. Deutsche lesen normalerweise wie wir die Texte von links nach rechts. Aber sie lesen die Zahlen umgekehrt: eine aus zwei Ziffern bestehende Zahl (von 21 bis 99) lesen sie von rechts nach links, z.B. 31(einunddreißig). In solchen Fällen schrieb ich im Diktat oft Zahlendreher. Fleißig musste ich die deutschen Wörter mit den dazugehörigen Artikeln auswendig lernen.
Ein burmesisches Sprichwort sagt: „Geduld und Ausdauer musst man bewahren, Erfolg kommt zu Dir mit der Zeit“. Ein deutsches Sprichwort lautet ähnlich: „Mit Geduld und Zeit kommt man weit.“ So hielte ich mich daran: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nicht mehr.“ Ich war eben noch jung und frisch. Nach einem Jahr konnte ich mein Hochschulstudium anfangen.
Endlich war ich so weit. Mein Studium dauerte 5 Jahren. Ich hatte mein Diplomstudium erfolgreich abgeschlossen. Ich konnte damals nicht nach Burma zurückkehren, weil ich wegen meiner politischen Tätigkeiten auf der schwarzen Liste der Militärregierung stand. Während des Studiums pflegte ich eine gute Beziehung zu meinem Professor, der seiner Zeit Fachbereich Obmann war, und bekam einige Werkverträge seines Instituts auf Honorarzahlung. Da ich mich mit seiner Vorzimmerdame gut verstand, bekam ich wann immer ich wollte sofort einen Termin bei ihm. Ich genoss sein Vertrauen und respektierte ihn für sein Fachwissen. Dies hatte mir nun einen Vorteil
verschafft. Durch Empfehlung und Einsatz meines Professors fand ich eine Arbeitsstelle an der T.U. Berlin. Ich ging später für den Abschluss des Arbeitsvertrags zum Personalbüro. Eine Verwaltungsbeamtin empfing mich dort. Ich legte ihr meinen Reisepass, mein polizeiliches Führungszeugnis und mein Hochschulabschlusszeugnis vor. Sie forderte von mir, zusätzlich noch meine Geburtsurkunde sowie den Auszug aus dem Familienregister vorzulegen. Ich war von ihrer Forderung überrascht und erklärte ihr sogleich, dass solche Unterlagen in Burma nicht existierten. Wir hatten kein Familienbuch. Jeder Burmese, egal ob weiblich oder männlich, hat einen eigenen Namen, welcher nach dem Geburtswochentag ausgesucht wird. Die Beamtin wollte von meinen Umständen nichts wissen und bestand darauf , dass ich die fehlenden Unterlagen mitzubringen habe. Sie sagte mir: Wir müssen Ihren Dienstantritt und -alter festsetzen. Dafür brauchen wir Ihre Urkunde. Ihr Familienregister ist maßgebend für die Gehaltsabrechnung und den Familienzuschlag. Mehr möchte ich von Ihnen nicht wissen.“
Eine Burmesische Geburtsurkunde nach gregorianischem Kalender? Keine Eltern interessierten sich in Myanmar, nach wie viele Jahre und Tage nach dem Tod Christus ihr Kind geboren ist. Traditionell wurden die neugeborenen Kinder in den buddhistischen Dorfklöstern nach burmesischem Mondkalender registriert und dort die Geburtsurkunden archiviert. In den Dörfern, wo die öffentlichen Bürgerämter fehlten, nahmen die buddhistischen Mönche diese Aufgaben wahr.
Für einen Burmesen ist das Geburtsdatum nicht so relevant. Relevant ist nur, an welchem Wochentag er geboren ist. Den sieben Wochentagen gehören 8 Tierzeichen, wobei der Mittwoch zwei zeitgebundene Tierzeichen hat, eines am Vormittag und das andere am Nachmittag. Wenn wir die buddhistischen Pagoden besuchen, suchen wir den dem Wochentag zugeordneten Platz unter den 8 Himmelrichtungen mit den zugehörigen Tierzeichen.
Diese Tierzeichen, deren Sage für jeden Buddhisten von großer Bedeutung ist, sind maßgeblich entscheidend auch bei der traditionsgebundenen Wahl der Ehepartner.
Eine Burmesische Geburtsurkunde nach gregorianischem Kalender? Keine Eltern interessierten sich in Myanmar, nach wie viele Jahre und Tage nach dem Tod Christus ihr Kind geboren ist. Traditionell wurden die neugeborenen Kinder in den buddhistischen Dorfklöstern nach burmesischem Mondkalender registriert und dort die Geburtsurkunden archiviert. In den Dörfern, wo die öffentlichen Bürgerämter fehlten, nahmen die buddhistischen Mönche diese Aufgaben wahr.
Für einen Burmesen ist das Geburtsdatum nicht so relevant. Relevant ist nur, an welchem Wochentag er geboren ist. Den sieben Wochentagen gehören 8 Tierzeichen, wobei der Mittwoch zwei zeitgebundene Tierzeichen hat, eines am Vormittag und das andere am Nachmittag. Wenn wir die buddhistischen Pagoden besuchen, suchen wir den dem Wochentag zugeordneten Platz unter den 8 Himmelrichtungen mit den zugehörigen Tierzeichen.
Diese Tierzeichen, deren Sage für jeden Buddhisten von großer Bedeutung ist, sind maßgeblich entscheidend auch bei der traditionsgebundenen Wahl der Ehepartner.
Ich bin am Montag geboren und habe das Tierzeichen TIGER. Meine Geburtsdaten nach dem gregorianischen Kalender kenne ich nicht. Meine burmesische Geburtsurkunde liegt in unserem buddhistischen Dorfkloster.“ Dort müsste ich mich nach meinem Geburtsdatum erkundigen.
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